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Hinnankaga

— Ist in Planung —

Hinnankaga ist in der Sprache der Lakota die große Eule.
Die Geschichte gehört zum Genre Urban-Fantasy.

Das Cover ist nur eine Demo! Sobald das Buch fertig ist, werde ich das Coverbild kaufen.

 

 

 

 

Leseprobe

„Ich werde jetzt gehen“, sagte ich in die Stille hinein und stand auf.
Der Satinstoff schien unter ihr zu flüstern, als sie die Bettdecke zurückschlug und zur Bettkante glitt.
„Du kannst nicht gehen.“ Es gab kein Flehen in ihrer Stimme oder Empörung, eher Gewissheit.
„Es tut mir leid, aber ich bleibe nie bis zum Frühstück“, antwortete ich neckisch und zog mir meine Hose an.
Das Mondlicht ließ ihr rotes Haar schimmern und ich betrachtete ein letztes Mal ihren vollkommenen Körper. Ihre Gesichtszüge waren weich und hart zugleich, ihre Nase lang und schmal, passend zu ihrer Gesichtsform, und ihre braunen Augen funkelten selbst im kargen Licht vor Lebenslust.
„Nein, du verstehst nicht recht“, sagte sie und fing an sich ihre Bluse zuzuknöpfen, „du kannst nicht gehen. Jetzt, wo ich dich gefunden habe.“
Ich hielt in der Bewegung inne und starrte sie verwirrt an. So hatte ich sie wirklich nicht eingeschätzt. „Was soll das heißen: ‚Jetzt, wo du mich gefunden hast?‘“, ich lächelte verunsichert, „ich dachte dir wäre klar, dass das eine einmalige Sache ist.“
Sie stieß die Luft geräuschvoll durch die Nase aus. „Das meine ich nicht.“
Stille.
„Soll das heißen, du hast nichts bemerkt?“, fragte sie.
„Oh, doch“, sagte ich grinsend und trat näher an sie heran, um sie zu küssen, „ich habe so einiges bemerkt!“ Vielleicht war das so eine neumodische Spielerei, eine Art Rollenspiel, von dem ich noch nichts gehört hatte.
Widererwartend forsch wies sie mich zurück: „Hör auf damit!“ Ihre Fingernägel gruben sich wie Klauen in meinen Oberkörper.
„Was zum … Was stimmt nicht mit dir?“, rief ich verärgert, während ich mir mechanisch über die Brust strich.
„Was mit mir nicht stimmt?“, fragte sie gereizt, „die Frage ist eher: Was stimmt nicht mit dir?!“
Darauf wusste ich spontan keine Antwort und versuchte stattdessen im Dunkeln meine restlichen Kleider ausfindig zu machen. „Mit mir? Was soll mit mir nicht stimmen?“, sagte ich grollend. „Ich habe keinen Hehl daraus gemacht, was ich von dir wollte: Eine gute Nummer und die habe ich gekriegt!“ Sie schlug mir ins Gesicht und ihre Fingernägel hinterließen Striemen, die augenblicklich zu brennen anfingen. Fassungslos starrte ich sie an, dann war es vorbei mit meiner Beherrschung. „Bist du völlig übergeschnappt? Was soll der Scheiß?!“, brüllte ich ihr entgegen. „Ich will jetzt gehen. Mach das Licht an!“
„Wie du willst!“, fauchte sie zurück und drehte den Deckenfluter voll auf. Das kleine, separate Lämpchen richtete sie auf mich. Instinktiv kniff ich die Augen zusammen und wendete mich ab. Nicht, ohne ihr hin und wieder einen vorsichtigen Seitenblick zuzuwerfen. Sie setzte sich an den kleinen Tisch neben der Lampe. „Du magst wohl kein Licht, was?“, fragte sie mit amüsiertem Unterton.
Ich fühlte mich wie in einem 08/15 Krimi, in dem die unsympathischen Kriminalbeamten ihre Verdächtigen auf diese Weise versuchten mürbe zu machen. Und zu meinem Entsetzen funktionierte es! „Doch, nur nicht so grell“, sagte ich kleinlaut und blieb unschlüssig im Raum stehen, weil ich nichts sehen konnte.
„Außerdem magst du die Nacht lieber als den Tag“, fuhr sie fort. Sie hatte ihre Beine übereinander geschlagen und sich mit einem zufriedenen Lächeln zurückgelehnt.
Das Licht bereitete mir fast schon physische Schmerzen. „Das tun viele Menschen und es ist kein Grund mich so anzugehen.“ Meine Rechtfertigung erschien mir sinnlos und ich fühlte mich in dieser Situation ungewohnt machtlos. Sie schaltete das Deckenlicht aus und dimmte das kleine auf ein erträgliches Maß. Jetzt konnte ich sie wieder ansehen.
„Hast du dich nie gefragt, ob du nicht anders bist – etwas Besonderes?“ Sie hatte ihren Kopf nach links geneigt, sodass ihr Haar auf dieser Seite nach vorne fiel. Ihr Gesicht war entspannt und ich Blick sanft. Keine Spur mehr von Aggressionen.
„Ich? Nein.“ Meine Augen huschten unruhig hin und her. Wie ein Vogel wog ich die neue Situation ab: war sie unbedenklich oder sollte ich fliehen? Nur wohin?
„Du bist eine Chimäre“, sagte sie.
Ich starrte sie verständnislos an. „Eine was?“
„Ein Gestaltwandler, ein Formwandler, nenne es wie du willst. Eine Chimäre eben.“
„Was soll das sein?“ Ich hatte keine Ahnung, wovon sie da sprach.
„Setz dich“, sagte sie und ich tat es. Wie ein durchnässtes Tier kauerte ich auf dem Stuhl und ließ die Informationen auf mich niederprasseln. „In der Biologie spricht man von einer Chimäre, wenn
sich genetisch unterschiedliche Zellen und Gewebe zu einem komplexen Organismus vereinen können. Bei Pflanzen nennt man diesen, meist künstlich erzeugten, Vorgang auch Veredelung.“
„Und ich soll so ein Ding sein?“, fragte ich ungläubig.
Sie runzelte die Stirn. „Du bist kein Ding. In dir schlummert eine große Macht, die nur darauf wartet von dir entdeckt zu werden. Es ist deine Bestimmung.“
„Was denn für eine Bestimmung?“ Ich lachte künstlich. „Ein … ein Monster zu sein, das sich nachts in einen Werwolf verwandelt und Menschen tötet? Das … ist nicht edel, das ist krank! Außerdem glaube ich davon kein Wort!“ Was sie da sagte machte keinen Sinn und es regte mich auf, sodass ich beschloss, mir diesen Blödsinn nicht weiter anzuhören. Ich wollte aufstehen, um meine Kleidung zusammenzusuchen, und endlich von hier verschwinden. Diese Frau, so anziehend sie auch war, hatte sie nicht alle. Verwandlungsdingsbums!
Als ich aufstand, hielt sie mich am Unterarm fest. Die Tatsache, dass ihre Fingernägel ordentlich manikürt und kurz waren, ließ mich zögern. Die Stellen auf meiner Brust konnte ich immer noch spüren und in meiner rechten Wange pochte das Blut.
„So entsetzlich, wie du es dir vorstellst, ist es nicht. Wir sind keine Monster.“ Ihre Stimme wurde zittrig und ihre Augen weiteten sich. „Ich weiß, dass du Angst hast, das ist normal. Aber wenn du tief in deine Seele schaust, wirst du es erkennen. Du fühlst dich fremd in dieser Welt und möchtest frei sein, wie ein Vogel.“ Sie ließ mich los und wandte sich von mir ab. Ihre Hände vor sich auf den Tisch gepresst.
Dieses Gespräch war absurd, aber ein Teil von mir wollte ihr glauben. „Was bin ich?“
Sie sah mich an. „Ich … kann es dir nicht sagen. Ich darf es nicht. Aber du musst mir vertrauen!“
„Ich will es versuchen.“

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